Deutsch-ungarischer Zusammenschluß: Beruf für die Jugendlichen in Mera

 

Auf dem Grundstück des Heimes Mütterchen wird eine Fahrradreparaturwerkstatt gebaut.

Das Dinglinger Haus, Heilpädagogisch-therapeuti-sches Jugendhilfezentrum aus Deutschland, organisierte ein Jugendcamp für die Jugendliche des sozialen Kinderprogramms der Christlichen Stiftung Diakonia in Mera und der lokalen Schule. Schwerpunkte waren Radfahren, Reparieren von Fahrrädern und Kennen-lernen der zwei Kulturen. An den Freizeitprogrammen des Projektes Jugend in Aktion nahmen neun deutsche Jugendliche aus problema-tischen Familien und neun (größtenteils Roma) Schüler aus Mera teil.

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Den Jugendlichen aus Mera wurde unter
anderem das Flicken von Reifen beigebracht -
Foto: IVÁN ROHONYI D.

 

Obwohl die Fahrradreparaturwerkstatt auf dem Grundstück des Heimes Mütterchen erst jetzt gebaut wird, wurden die notwendige Werkzeuge für die Assemblierung von Fahrrädern und die zwölf geschenkten Fahrräder von den deutschen Gästen jetzt schon nach Mera gebracht. Laut Plan soll die Werkstatt bis September fertiggebaut werden. Langfristig ist geplant, zusammen mit der Schule in Mera verschiedene Gruppenaktivitäten zu organisieren.

Bei mangelnder Turnhalle - Fahrradtouren!

- Sobald die Fahrradreparaturwerkstatt fertig ist, können hier die Jugendliche arbeiten, die während dieses Campes dafür ausgebildet wurden - so über die zukünftige Pläne Katalin Molnár, Koordinatorin des sozialen Kinderprogrammes der Christlichen Stiftung Diakonia. Von den neun Kindern konnten zwei sicherlich ihr Brot verdienen, meint sie. Es ist für die Kinder aber ein Nachteil, dass sie sehr nah bei Cluj-Napoca (Klausenburg) leben und dass in der Stadt bereits einige Fahrradreparaturwerkstätten existieren. Laut der Programmkoordinatorin wird langfristig geplant, noch mehr Fahrräder anzuschaffen, und mit der lokalen Schule einen Kooperationsvertrag zu schliessen. - Die Schule verfügt über keine Sporthalle. Wir sind der Meinung, dass es eine Möglichkeit wäre, im Turnunterricht vom Sportlehrer, geleitete und überwachte Fahrradtouren zu organisieren. Sie fügte dazu: Die deutschen Gäste haben neun neue und drei sehr gute genutzte Fahrräder gebracht.

Warum ausgerechnet Mera?

Auf unsere Frage, warum das Heim in Mera als Standort des Programmes gewählt wurde, erzählte uns Katalin Molnár: Auf einer Konferenz in Klausenburg haben wir uns mit Herrn Hartmut Lang, Mitarbeiter des heilpädagogisch-therapeutischen Jugendhilfe-zentrums Dinglinger Haus kennengelernt. Er erfuhr über die soziale Tätigkeit der Stiftung in Mera und hielt es für möglich und interessant ein solches gemeinsames Programm zu organisieren.


- Sozial benachteiligte Jugendliche kamen zu uns aus einer deutschen Jugendhilfs-anstalt. Einige von ihnen beteiligten sich nur tagsüber an die für sie gestalteten Aktivitäten, aber es sind auch solche dabei, die im Heim wohnen und nicht einmal für die Feiertage, wegen der problematischen Verhältnissen in der Familie nach Hause gehen- so der Programmverantwortliche über die Teilnehmer.


- Die teilnehmenden Kinder aus Mera haben wir zusammen mit der Leitung der lokalen Schule ausgewählt. Einige von ihnen besuchen das soziale Kinderprogramm der Christlichen Stiftung Diakonia und natürlich die Schule in Mera. Wir haben aber nicht nur Kinder aus unserem Programm ausgewählt- sagte Katalin Molnár, die es aber für selbstvertändlich hielt, dass die Kinder aus den 5-8. Klassen aus dem sozialen Programm die grösste Chance zur Teilnahme hatten. - Außerdem haben wir zwei Jugendliche aus der 9. Klasse aufgenommen, die mittlerweile das Lyzeum in Klausenburg besuchen, aber weiterhin mit dem Kinderprogramm in Mera in Kontakt sind (wir finanzieren ihr Busabonament, damit sie in Klausenburg weiterstudieren können). Die anderen vier Teilnehmer wurden vom lokalen Schuldirektor ausgewählt - erzählte Katalin Molnár.

Montieren von Fahrrädern, Schwimmen, Tanzen, Grillen

- Wir haben versucht, ein vielfältiges Programm anzubieten, d.h. die meist mit Fahrrädern verbundenen gemeinsam verbrachten Vormittage, mit Freizeitprogrammen am Nachmittag zu ergänzen. Ausserdem organisierten unsere Gäste ganz selbstständig Stadtbesichtigungen, Pizzaessen oder Schwimmen in Klausenburg- sagte die Mitarbeiterin der Stiftung. Die ersten Programme waren mit dem Zusammenbau der demontiert transportierten Fahrrädern verbunden. Unmittelbar danach ergab sich ganz spontan eine Fahrradtour auf der Route Vistea-Baciu-Mera, unter der Führung der Kinder aus Mera.


Am Samstag gab es ein Fussballspiel, indem gemischte Mannschaften gegeneinander gekämpft haben. Am Ende des freundschaftlichen Spieles gab es nette Geschenke: den Kindern aus Mera wurde von den deutschen Gästen Fahrradkleidung- Hosen, Blusen, Handschuhe - geschenkt.


Die deutschen Teilnehmer hatten einen Nachmittag lang die Gelegenheit, die Volkstracht, die traditionell eingerichteten Zimmer und den lokalen Volkstanz des Dorfes Mera kennenzulernen und sich über diese mit den Gastgebern auszutauschen.

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Die Werkzeuge wurden mit typisch deutscher Präzision
auf Holzplanken befestigt, die nachher an die Wände der
Reparaturwerkstatt kommen werden. - ROHONYI D. IVÁN

- In den ersten Tagen wurden wir zwecks Kennenlernen zu ihrem Campingplatz eingeladen. Die Kinder aus Mera wurden mit ihrem Kleinbus nach Gilau gefahren. Am letzten Tag - Donnerstag - organisierten wir für sie ein spezielles Programm in Mera: mit Pferdekarren sind wir zum Hügel rausgefahren, um dort Speck und Fleisch zu grillen.

Landeskunde auf Fahrrad

Laut József Pálfi, Direktor der Schule Mera, arbeitet die Schule seit 2000 mit der Christlichen Stiftung Diakonia zusammen, die den sozial benachteiligten Schülern Nachmittagsbetreuung anbietet. Der Schulleiter sieht in der zu bauenden Fahrradwerkstatt mehrere Vorteile für die Schüler: diese macht es möglich, Fahrradtouren zu organisieren, einen Beruf zu lernen, als auch die Chance einen Fahrradklub zu gründen, derer Mitglieder regelmässige Gruppentouren veranstalten könnten, so Pálfi.

- Das Positive am Programm ist, dass die Schüler für einige Zeit den Schulhof verlassen, wo übrigens der Sportunterricht wegen mangelnder Sporthalle schwierig durchzuführen ist. Ihr Bewegungsraum wird dadurch ebenfalls vergrößert, indem sie die benachbarten Ortschaften entdecken. Wir ermutigen sie sowieso in diese Richtung und diese Tätigkeit ist eine sehr gute Gelegenheit, die Umgebung und die Kultur der Nachbarn kennenzulernen- sagte der Schuldirektor.

Ildikó Dézsi

Wir kommen zurück

Die Initiatoren des Projektes, Hartmut Lang und Dan Hoffmann kamen nach einer Konferenz in Klausenburg durch den Leiter der Christlichen Stiftung Diakonia, Herrn Arthur Sarosi nach Mera. Das Dorf hat ihnen gefallen und von den schwierigen Lebensumständen einiger Familien bewegt, kam auch ihre Entscheidung, den Kontakt zu den Dorfsbewohnern zu initieren. Das Dinglinger Haus aus Lahr unterstützt Kinder und Jugendliche benachteiligter Familien. Diesmal haben sie den Kindern in Mera zwölf Fahräder gebracht, die sie mit Hilfe der ebenfalls geschenken Werkzeugen montiert haben. Hauptziel des Projektes war das Treffen der Jugendlichen aus Deutschland und Mera, das Kennenlernen der unterschiedlichen Kulturen und Lebensbedingungen. Trotz der Verschiedenheit der Teilnehmer und der sprachlichen Barrieren sind durch die gemeinsame Arbeit und die Freizeitprogramme Freundschaften entstanden, die Kinder lernten einige grundlegende Wendungen der beiden Sprachen und wurden durch die vielen Erlebnisse bereichert.

 

- Die hiesige Kultur ist sehr beeindruckend in ihrer Vielfalt. Es ist ein gutes Gefühl, dass die Kinder ins Leben im Ausland Einblick bekommen dürfen: wie andere Jugendliche gleichen Alters leben. Es war für uns großartig zu erleben, dass wir das Haus, also die Privatsphäre einiger Familien betreten durften. Trotz ihrer schwierigen finanziellen Lage bemühen sie sich auf Sauberkeit, erziehen ihre Kinder zu Anständigkeit und schicken sie sie zur Schule. Egal ob nach einem Jahr oder später, ich möchte auf jeden Fall zurückkommen, und noch mehr helfen. Dies hängt aber sehr von den finanziellen Möglichkeiten ab - erzählte uns Hartmut Lang.

Gabriella Berekméri

Meine Hobbies sind Fahrrad, Motorrad und Autos

Die Jugendlichen aus Mera und Deutschland haben die Probe überstanden, da sie es geschafft haben die mitgebrachten Bestandteile zu montieren und die spontanen Radtouren konnten ebenfalls stattfinden. Während unseres Besuches sprang jedes Kind aufs Rad, fuhr auf dem Hof des Pflegeheimes und auf der Strasse davor herum. Die Jungs erzählten uns, dass sie sich sehr gerne mit Fahrrädern beschäftigen. Es interessiert sie alles, was mit Fahrrädern, Motorrädern und Autos zu tun hat.

 

- Das ist mein Hobby - sagte ein Teilnehmer über das Reparieren von Fahrrädern. In der eben gebauten Werkstatt stehen den Jugendlichen sehr viele geschenktes Werkzeug zur Verfügung, so dass sie sich hier in ihrer Freizeit mit Fahrrädern beschäftigen können. -Es ist interessant, dass so viele Ausländer bei uns sind- sagte eins der Kinder, aber trotdem störte die Sprachbarriere keinen, alle kamen damit gut zurecht: sie haben einander zugelächelt, winkten, sagten ein Wort auf der Sprache des Anderen, und schon haben sie sich verstanden.

Izabella Antal

     
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